Akteurinnen und Akteure zum Thema „Leben im Alter“ trafen sich zum Start in eine neue Zusammenarbeit.
Nach der erfolgreichen Durchführung der gemeindeweiten Befragung zu „Wie möchten Sie in Kirchlinteln älter werden? bei den Bürgerinnen und Bürgern ab 60 Jahren wurden am Donnerstag die Ergebnisse diskutiert. Der Einladung zu einem 1. Netzwerktreffen waren über 40 Expertinnen und Experten aus der Gemeinde zum Thema gefolgt.
Zu Beginn begrüßte Bürgermeister Arne Jacobs und dankte allen Anwesenden für ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Frei nach Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge, aber wir wollen es trotzdem alle werden, führte Jacobs in das Thema ein. Es folgte eine interessanten Vorstellungsrunde. Jede Person gab einen kurzen Einblick in ihren Bezug zum Thema und machte dadurch deutlich wie vielseitig die Perspektiven auf ein „Leben im Alter“ sind und wie umfangreich das Engagement vor Ort bereits ist.
Von Vereinsvorsitzenden mit speziellen Seniorenangeboten, über die Betreiberinnen von Bürgerbus, Dorfläden und Bäckerei, berufliche Perspektiven aus Medizin, Pflege oder Physiotherapie sowie Polizei, Allerbus und Kirche, bis hin zu Seniorenberaterinnen und -Beratern, waren Akteure und politische Vertreter aus fast allen Ortschaften und vom Landkreis Verden mit Interesse dabei.
Gemeinsamer Tenor: Ein gutes Leben im Alter braucht Lösungen, Ansprechpersonen, Gemeinschaft und Selbstständigkeit.
Der Vorstellung der Ergebnisse der zwischen dem 01. Juni und 15. Juli 2024 durchgeführten Umfrage durch Ingrid Heineking vom Büro StadtUmLand aus Hannover, wurde interessiert gefolgt. Nachzulesen sind Auszüge aus den Ergebnissen in der gezeigten Präsentation auf der Homepage der Gemeinde Kirchlinteln.
Auf besonderes Interesse stieß bei den Anwesenden verständlicherweise das Ergebnis, dass 50 % der über 60-Jährigen angaben, wenigstens ab und an zu bürgerschaftlichem Engagement bereit zu sein, es bisher aber nicht sind. Hier sollte das Netzwerk die Menschen „abholen“, genauer nachfragen und gute Formate für Beteiligung und Engagement bieten, das heißt aber gleichzeitig auch Verantwortung abzugeben.
Am späteren Abend wurde gemeinsam an konkreten Ideen und nächsten Schritten gearbeitet, in Arbeitsgruppen wurden die Themen WOHNEN + MOBILITÄT, GESUNDHEIT + VERSORGUNG sowie SOZIALES konkretisiert.
Beim Thema WOHNEN ging es u.a. um die Umnutzung landwirtschaftlicher Nebengebäude oder potenzieller Leerstände sowie Baulücken für altengerechtes Wohnen, wofür als allererstes Eigentümerinnen und Eigentümer angesprochen werden müssten. Das Thema MOBILITÄT war geprägt von einer Erweiterung des Bürgerbusangebotes, wofür es sowohl neuer Fahrerinnen und Fahrer als auch neuer Fahrgäste bedarf. Ebenso ging es auch um eine professionelle Mobilitätsberatung, die Allerbus anbieten möchte und die Idee einer MitFahrApp.
Das Thema GESUNDHEIT wurde direkt im Zusammenhang mit VERSORGUNG in die Wege geleitet: Schnell waren erste Kontakte geknüpft, so dass die neue mobile Fußpflege von Jaqueline Richter alsbald in die Tagespflege kommen wird und der Dorfladen seinen Einkaufsservice mit Martina’s Seniorenbetreuung zusammenbringen wird. Konkret wurden auch Vorträge und Beratung durch die Betreuungsstelle des Landkreises Verden angeboten und u.a. die Idee von Spiel- und Klön-Nachmittagen sowie eine neue Form des „Tanztees“ durch örtliche Aktive weitergedacht.
Im Bereich SOZIALES ging es um gemeinsames Kochen und Essen und die Potenziale öffentlicher Gebäude, auch einer Kapelle, oder der vorhandene Vereinsheime als soziale Treffpunkte für Senioren. Interessant auch das Angebot der Polizeiinspektion Verden-Osterholz sich bei Anlässen mit Senioren mit Vorträgen zu Kriminalprävention und Sicherheit zu beteiligen. Auch das Angebot von regelmäßigen gemeinsamen Spaziergängen, Spielenachmittage oder Gedächtnistraining wird als durchaus realistisch angesehen.
Gemeinsames Ergebnis war, dass es zur Unterstützung des Älterwerdens in Kirchlinteln diverser Materialien darüber bedarf, was es schon alles gibt! Das heißt Informationen müssten gesammelt, gefiltert und auf unterschiedlichen Kanälen veröffentlicht werden. Dabei könnten Infomaterialien wie zum Beispiel Flyer oder eine Broschüre für Alltagsanliegen, die Homepage oder eine neue KirchlintelnApp genutzt werden.
Ebenso braucht es, so die Meinung vieler, zumindest längerfristig eine Plattform, um Interessierte zusammenzubringen im Ehrenamt, in der Mobilität oder für den allgemeinen Austausch. Informationen zu Beratungsformaten zu Mobilitätsangeboten sowie Betreuungs- und Vorsorgeangeboten etc. wären ebenfalls interessant. Wichtig ist dabei der Abgleich der Angebote, die Absprachen untereinander sowie die Aktualität der Informationen.
Das sogenannte Akteursnetzwerk soll die Themen des Älterwerdens in der Gemeinde Kirchlinteln nun weiterdenken und einzelne Ideen zu Projekten werden lassen. Das Netzwerk trifft sich wieder am 12. November 2024, auch neue Interessierte sind nach wie vor willkommen. „Eine gute Basis ist geschaffen und ich freue mich auf die weitere Arbeit in der starken Gemeinschaft“, zieht Bürgermeister Jacobs eine positive Bilanz des 1. Treffens.